Es ist kein Geheimnis, dass Eltern und Lehrpersonen vielerorts Schwierigkeiten haben, mit einzelnen Kindern und Jugendlichen zurecht zu kommen, sei es zu Hause oder in der Schule. Oder richtiger sollte ich sagen: „Dass Kinder und Jugendliche mit Eltern und Lehrpersonen und Schule Probleme haben“ und entsprechend reagieren, sei es durch Rückzug, durch Verweigerung, durch Auffälligkeit bis zu einem Verhalten, das ein Arbeiten im Gruppen- oder Klassenverband völlig verunmöglicht.
Der deutsche Psychologe und Reformpädagoge Otto Herz bringt die Thematik auf den Punkt, wenn er sagt: „Die Kinder des 21. Jahrhunderts werden unterrichtet von Lehrpersonen des 20. Jahrhunderts in Schulen des 19. Jahrhunderts“. Oder anders ausgedrückt: Vieles was einst richtig und hilfreich war, funktioniert nicht mehr, weil sich Menschen und Umstände wesentlich verändert haben.
Ich will nicht über solche auffallenden Menschen und über mögliche Kategorisierungen von ihnen schreiben, sondern zwei von ihnen selber zu Worte kommen lassen.
Christian Frautschi, heute 50-jährig, aufgewachsen als nicht verstandener rebellischer, hochbegabter Lausebengel, später selbstbewusster Unternehmer und Manager und heute Heiler und Autor, sieht keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen Hochbegabten, Indigos und solchen die als ADS/ADHS eingestuft werden.
Er schreibt:„Wir sind hochbegabte, extrem bildlich denkende intuitive und sensitive Macher und Schnelldenker, manchmal auch faul und arbeitsscheu… Die Eigenschaften von Legasthenikern und ADHS/POS-Kindern sind unseren sehr ähnlich, doch verfügen wir [Indigos und Hochbegabte] zusätzlich meist über eine grosse Selbstsicherheit; darüber hinaus neigen wir zu parapsychologischen Fähigkeiten wie Hellsichtigkeit, Hellfühligkeit und Aura-Sehen.“ – An anderer Stelle: „Wir begeben uns sehr oft an Grenzen und darüber hinaus, im Umgang mit Eltern, Mitmenschen oder dem Gesetz. Wir schreiben uns eben selbst unsere Regeln zum Abenteuer Leben! Nur wenn wir einen Weg gehen, finden wir heraus, ob es der richtige ist. Lasst uns bitte gefälligst selbst auf die Schnauze fallen.“ – Oder: „Wir erfahren in der gleichen Zeit viel mehr Eindrücke, wir denken über eine Handlung viel komplexer und ziehen assoziativ noch viele andere Eindrücke hinzu… Die hochgradige Sensitivität führt dazu, dass wir oft nicht wissen, wie wir mit der Flut von Eindrücken umgehen sollen. Diese Überforderung führt dann nicht selten zu aggressiven Entladungen.“
„Weil die meisten von uns extrem bildlich denken, verfangen sich unsere Gedanken oft in der rechten emotionalen Hirnhälfte, und so können sie nicht in der gewünschten Geschwindigkeit in die linke strukturierte Hirnhälfte übermittelt werden – dort wo die Reflexe gesteuert werden. So hinken wir mit dem Körper, unsern Reflexen hinterher“ [was dann als Legasthenie oder als Hyperaktivität, geistig oder körperlich, erkannt wird].
Lena Giger kenne ich persönlich. Sie (bzw. ihr Körper, wie sie differenziert sagt) ist 25 Jahre alt. Sie sieht sich selber als eine Art nächster Generation, die auf die mehr rebellischen Indigo-Systemsprenger folgt. Ihre Botschaft und ihr Lebensausdruck sind Liebe, Vertrauen, Wissen, Feingefühl, Optimismus und die Sprache des Herzens. Sie nennt insbesondere drei Wünsche an uns:
„Sprecht aus eurem Herzen! Seid ehrlich, hört auf eure Seele und auf euer Herz. Wir hören, was euer Herz sagt, und es ist nicht schön für uns, wenn wir zwei oder drei Antworten bekommen.“
„Hört uns zu! Nehmt uns als volle Personen wahr, egal in welchem Alter wir sind, ob zwei, vierzehn oder 19 Jahre alt. Wir sind! Wir sind alte wissende Seelen, und das hat nichts mit dem Alter des Körpers zu tun. Begegnet uns mit Respekt, Achtung und Liebe, genau wie wir es bei euch tun.“
„Seid offen! Öffnet euch für eine neue Welt, neue Gesetze, neue Arten des Denkens und des Fühlens. Legt alles, was ihr gelernt habt, auf die Seite, und hört uns zu… Nur wenn wir uns gegenseitig offen begegnen, können wir beide lernen.“
Was hat das mit Eltern und Schule zu tun? – Lena schreibt: „Ich bekomme einen Schreikrampf, wenn man mich belehren will, weil ich alles selbständig machen und selbständig sein will. Ich weiss was ich weiss; ich weiss was ich wissen will, und ich weiss was ich lernen will. Niemand von aussen weiss das, und niemand hat das Recht, mir zu sagen, was ich wissen muss.“
Kann und will sie sich also gar nicht unterordnen? – „Wenn ein Lehrer eine wirkliche Autorität [sicher, selbstbewusst, authentisch] war, ging es super; dann standen wir auf der gleichen Ebene, und er leitete einfach an. Er hat geleitet, und ich liess mich leiten.“
Es ist sehr wichtig, dass Schulen entstehen, die für solch „schwierige Kinder“ eine angemessene Lerneinrichtung zur Verfügung stellen, wo sie ihr Potential entfalten können, wo wir von ihnen und sie von uns lernen können. Diese Investition, für die der Staat Schweiz noch immer selten die nötige finanzielle Unterstützung gibt, ist von unermesslichem Wert für unser durchrütteltes gesellschaftliches Leben. Tatsächlich gibt es solche Schulen. Doch das genügt nicht. Es braucht die Umsetzung der Botschaft, die solche „neuen Kinder“ uns überbringen, und das bedeutet eine ganz tief greifende Umgestaltung unserer Gesellschaft und damit insbesondere unseres Bildungssystems, basierend auf der Sprache des Herzens, wo die LIEBE über strukturelle Regelungen dominiert.
Christian Frautschi: Über den Wolken. Hochbegabte und Indigos – Fluch oder Segen. Goldfeder-Verlag, 2008
Lena: Wir Kristallkinder. Liebe, Vertrauen & Wahrheit. Silberschnur, 2009
Neue Schule für Neue Kinder: http://www.meisterschaft-kr.ch/NeueKinder.html
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