Solange diese Tatsache und ihre Konsequenzen nicht ernsthaft hinterfragt werden, sind alle Massnahmen in unserem Bildungssystem mehr oder weniger Flickwerk. Denn es ist offensichtlich, dass Leistungsstress, Konkurrenzkampf und die Angst vor der (beruflichen und in der Folge auch privaten) Zukunft schon sehr früh beginnen und sich wie ein roter Faden durch die Schul- und Ausbildungszeit hindurch ziehen. Wobei schliesslich auch bei grösstem Einsatz nichts garantiert ist nach der Ausbildungszeit.
Der deutsche Unternehmer Götz W. Werner macht deutlich, dass mit dem gesellschaftlichen Wandel von der Selbstversorgung zur Fremdversorgung sich auch Arbeit und Einkommen grundlegend verändern: Der einstige Bauer musste arbeiten, um sein Einkommen (Lebensmittel) zu haben. Heute ist es umgekehrt. In einer Fremdversorgungsgesellschaft wird grösstenteils für andere produziert; da muss ich ein Einkommen haben, um arbeiten zu können und so meinen Teil für die Allgemeinheit beitragen. Die Konsequenz daraus und ein ernstzunehmender Lösungsansatz ist ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle und damit auch eine deutliche Entkoppelung von Arbeit und Einkommen zwecks Lebensunterhalt.
Utopie? – Am 19. März 2011 wurde in Zürich zu einem ‚Kongress zum Grundeinkommen’ eingeladen. Innert weniger Wochen waren die 600 Plätze im Kongresshaus ausgebucht. Es musste zusätzlich eine Online-Direktübertragung eingerichtet werden!
Interessant ist die Tatsache, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziell durchaus möglich wäre; dazu wurden verschiedene Szenarien errechnet. Der entscheidende „Haken“ liegt beim Denken, liegt im Bewusstsein der Menschen: Umfragen zeigen, dass der Grossteil der Menschen selber weiterhin einer Arbeit nachgehen würden, dass aber vom Andern angenommen wird, er würde mehrheitlich nur mehr auf der faulen Haut herumliegen. Wir können uns also sehr wohl vorstellen, dass wir selber unsern Teil beitragen würden, doch dem Mitmenschen trauen wir dasselbe nicht zu!
Genau darum geht es bei einem integralen Bewusstsein: die Sicht fürs Ganze mit Geben und Erhalten.
Welch eine Befreiung entstände an unsern Schulen und in der Arbeitswelt! Welch eine Qualitätssteigerung auch, wenn echte Motivation und Wahl einer Tätigkeit zugrunde lägen!
Freilich, es gäbe viele Dinge neu zu organisieren. Es entstände wohl zunächst grosse Verunsicherung und Chaos. Viele wären damit völlig überfordert. Es würde Einschränkungen bedeuten und ein langsames Sich-einpendeln in einer völlig anders gestalteten Gesellschaft. Auch kann ein bedingungsloses Grundeinkommen natürlich nicht die einzige Massnahme sein zur Lösung der genannten Probleme. Doch welche wirkliche Wahl auf längere Sicht haben wir? Soll uns auch in wirtschaftlicher Sicht erst die Not eines besseren belehren wie die AKW-Katastrophe von Fukushima in Sachen Energieversorgung?
Der Funke ist gezündet, die Bevölkerung immer mehr sensibilisiert. Die ‚Initiative Grundeinkommen’ plant fürs Frühjahr 2012 eine Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz. Ein echter Erneuerungsansatz auch für unsere Schulen!