Vagish Shastri erzählte von Shakti und Shiva, vom Getrenntsein und von der Vereinigung verschiedener Wesenheiten, von der Transformation sowohl im Schöpfungsprozess als auch in der Auflösung. Seine Bilder waren für meinen rationalen Geist nicht so leicht fassbar, und gleichwohl faszinierten sie mich irgendwie. Mein Körper und mein ganzes Wesen kamen in eine sonderbar angenehme Schwingung und schienen sich mehr und mehr zu öffnen. Es wurde für mich spürbar, dass in dieser bildhaften Sprache Erkenntnisse vermittelt wurden, die nur schwer in Worte gefasst werden können.
Nach Philosophie- und Yoga-Lektionen sind wir in die Meditationspraxis eingestiegen. Auch hier wurden wir über bildhafte Sprache zu tiefen Wahrnehmungen und subtilen Körperzuständen herangeführt. Die bildhaften Elemente waren anfänglich so dicht, dass unser Verstand voll beschäftigt war und kaum dazu kam abzuschweifen. Und nach einer Weile wurde es still, wo es nichts mehr zu tun gab, nur Betrachtender zu sein.
Gewinn solcher Meditationen waren für mich konkrete Bilder oder Szenen, neue Erkenntnisse, ein neuer Bezug zu mir selber (wer, wo, was ich bin), vielleicht auch „nur“ Farben, formlose Zustände oder einfach ein öffnender Zustand, wo die eigene Seele spürbar wird.
Prof. Shastri hat in seinem Leben einen speziellen Weg gewählt. Beruflich hat er die Laufbahn eines Wissenschafters (Pandit) eingeschlagen und leitete während ein paar Jahrzehnten ein Forschungszentrum an der Uni in Varanasi. Spirituell hat er bereits als sechsjähriges Kind bei Mönchen gelebt und mit knapp 20 Jahren jenen Durchbruch erfahren, den viele als Erleuchtung bezeichnen. Erst nach über dreissig Jahren begann er, auch auf der spirituellen Linie zu lehren. Die Kombination von Pandit und Guru gleichzeitig ist recht selten und interessant.
Hinzu kommt, dass der Kashmirische Shivaismus, dem Vagish Shastri nahe steht, grossen Wert auf die Kunst als Schöpferkraft und Erfahrung der Realität legt. So sind in seinem Institut KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und Menschen auf spirituellem Weg anzutreffen. Ich habe mich in dieser kunterbunten und unkomplizierten Mischung von Menschen und Themen wohl gefühlt.
Vagish Shastri lehrt akademisch und begnügt sich nicht damit. Er warnt davor, das Wissen nur aus Büchern und Seminaren zu beziehen. Ihm ist die persönliche Erfahrung und die Quelle der inneren Weisheit wichtig. Und nicht zuletzt möchte er, dass wir uns immer wieder über künstlerische Methoden ausdrücken.
Gerne nehme ich Anregungen und Lehren von ihm mit nach Hause.
Weiter führende Informationen:
Vagyoga-Institut in Varanasi (english), Wiki über Vagish Shastri (english),
Youtube über Vagish Shastri, über Kundalini Meditation I und II (english),
European Vagyoga Association.
Kaschmirischer Schivaismus in Wikipedia deutsch, bei Dr. Mark Dyczkowski, einem Schüler von Prof. Vagish Shastri.
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